Landskap und Län

Vor der Reichsgründung gab es auf dem Territorium des werdenden Schweden die politisch selbstständigen Landschaften (landskap). Mit der Einigung des Königreiches und der Stärkung der Zentralmacht verloren sie allmählich ihre politisch-administrative Bedeutung an die Lehen oder auch Provinzen (län) der Königsmacht, die seit dem Mittelalter immer mehr Bedeutung erlangten. Ihre letzten offiziellen Funktionen verloren die Landschaften (die noch als Grafschaften und Herzogtümer bezeichnet wurden) 1637 im Rahmen der Oxenstiern`schen Regierungsreform - sie wurden also "historisch" (Ausnahme: Norrbotten wurde erst im 19. Jahrhundert als Landschaft "erfunden"). Die entscheidenden administrativen Einheiten wurden als Ausdruck einer zentralistischen Ausrichtung Schwedens die Provinzen (län) des Reiches. Daher ist nebenbei bemerkt die mitunter zu beobachtenden´Übersetzung der "Landschaften" als "historische Provinzen" falsch - die Landschafen sind älter als das Reich (kein Gebiet kann Provinz eines noch nicht besehenden Staates sein) und sie standen immer für Dezentralität (im Gegensatz zu den Provinzen).

Zu der Zeit war das heutige Finnland und Teile Russlands (Gebiet Sankt Petersburg, damals Ingermanland) schwedisches Kernland. Daher gibt es Heute in Schweden zwar ein Västerbotten, aber kein Österbotten. Letzteres liegt nun in Finnland. Teilweise flossen die Namen der Landschaften in die neuen Provinzen (län) ein, auch wenn sie mitunter völlig andere Gebiete inkludierten als die alten Landschaften. Nur Gotland und Blekinge haben identische Landschafts- und Provinzgrenzen, im Fall Skåne haben wir beinahe 100 % Übereinstimmung, lediglich einige Quadratkilometer im Nordwesten fielen an Halland( Skåne war jedoch bis vor wenigen Jahren in Malmöhus län und Kristianstads län geteilt). Bei Västerbotten und Jämtland sind die Abweichungen jedoch erheblich, ebenso bei Väst- und Södermänland. Einige Namen verschwanden ganz. Aus deutscher Perspektive am wichtigsten: Småland. Die alte Landschaft wurde in drei Provinzen aufgeteilt. Eine von diesen, Kalmar län, erhielt außerdem die Landschaft Öland. Aber neben einigen kleineren Landschaften verschwand auch Lappland als selbstständige Verwaltungseinheit.

Die Hauptstadt Stockholm liegt heute in Stockholm län; der nördliche Teil davon gehört zur Landschaft Uppland, der südliche zu Södermanland (gebräuchliche Kurzform: Sörmland).

In etwa sollte man jedoch auch heute die Provinz- und Landschaftsgrenzen kennen, wenn man sich näher mit Schweden beschäftigt, da auch die nunmehr "inoffiziellen" Landschaften für die meisten Schweden eine sehr wichtige Identifikationsrolle spielen und so auch im Alltag weiterhin fest verwurzelt sind. So orientiert sich beispielsweise die touristische Werbung an den Landschaften, genau wie die Wetterberichte und auch die regionale Einteilung vieler Verbände und Vereine.

Ausnahmen sind hier eigentlich nur die beiden größten Städte, weil sowohl Stockholm (s.o. als auch Göteborg (Västergötland, Bohuslän) in zwei Landschaften liegen und Großstädte im Allgemeinen über eine hohe Fluktuation verfügen, so dass sich die Identifikation eher an der aktuellen Stadt als an den historischen Eigenheiten der Region orientiert. Auch bezeichnen sich viele Nordschweden eher als Norrlänningar (siehe auch Landesteile), als beispielsweise als Ångermannlänningar. Das mag daran liegen, dass gerade die nördlichen und küstenfernen Gebiete Norrlands erst sehr spät erschlossen wurden und die Landschaften in einigen Regionen des Nordens keine lange Geschichte hinter sich haben.

Die Landschaften bilden auch die Basis für die Landesteile (siehe Link).